Windows 95: Diskettenkopien prüfen und Originale schonen
Eine noch sichtbare Dateiliste beweist nicht, dass alle Daten einer Windows-95-Diskette lesbar sind. Diese Anleitung beschreibt die Vorbereitung und Abnahme einer Sicherung auf einem geeigneten heutigen Arbeitsplatz. Sie verspricht keine Reparatur beschädigter Medien und führt keine alten Programme aus.
1. Medium und Ziel zuordnen
Gib jeder Diskette eine eindeutige Kennung und fotografiere ihre Beschriftung. Notiere Format, vorgesehenes Laufwerk und vorhandene Schäden. Bei sichtbarer Beschädigung, Schimmel oder ungewöhnlichen Geräuschen nicht weiter lesen lassen: Eine wichtige Einzelkopie gehört zu einem spezialisierten Dienstleister. Keine Formatierung oder Dateisystemreparatur auf dem Original bestätigen.
Prüfe die Eignung des Laufwerks für das tatsächliche Diskettenformat; ein USB-Anschluss allein garantiert keine Kompatibilität. Nutze einen verfügbaren mechanischen Schreibschutz korrekt nach der Medienanleitung. Lege für jede Diskette einen eigenen leeren Zielordner auf einem anderen, gesunden Datenträger an. Der alte Windows-95-PC bleibt vom öffentlichen Internet getrennt.
2. Dateikopie oder Abbild?
Bei fehlerfrei lesbaren normalen Dokumenten kann eine Dateikopie genügen. Sie sichert aber nicht automatisch Bootsektoren, gelöschte Bereiche oder besondere Datenträgerstrukturen. Für solche Anforderungen ist ein geeignetes Abbildverfahren nötig; auch ein gewöhnliches Sektorabbild erfasst nicht jede historische Sonderformatierung oder jeden Kopierschutz.
GNU ddrescue ist ein Werkzeug für einen passenden modernen Rettungsarbeitsplatz, nicht eine Windows-95-Menüfunktion. Es liest bei Fehlern möglichst zuerst die guten Bereiche. Seine Mapdatei hält den Bearbeitungsstand fest und erlaubt eine Fortsetzung; sie ist kein Ersatz für die Abbilddatei. Quelle, neues Abbildziel und Mapdatei müssen eindeutig zu genau diesem Medium gehören. Verwechsle sie niemals und übernimm keine fremde Mapdatei. Nach einem Neustart können Gerätenamen anders zugeordnet sein. Ohne sichere Gerätezuordnung nicht starten; hier wird deshalb kein pauschaler Gerätebefehl angegeben.
3. Ergebnis statt Fortschrittsbalken prüfen
- Protokolliere Werkzeugversion, Datum, Quellkennung, Ziel und gemeldete Lesefehler. Ein vorhandenes Abbild oder ein normaler Programmabschluss allein beweist keine vollständige Rettung.
- Bei Dateikopien vergleiche Namen, Unterordner, Anzahl und Größen. Öffne wichtige Dokumente ausschließlich aus der Kopie in einer geeigneten, abgesicherten Umgebung; keine unbekannten Programme oder Makros starten.
- Bei Abbildern gehören Statusübersicht und Mapdatei zur Abnahme. Nicht gelesene oder fehlerhafte Bereiche ausdrücklich als offen kennzeichnen. Nur an einer zusätzlichen Arbeitskopie Dateisystemprüfungen oder Extraktion durchführen.
- Bewahre eine zweite geprüfte Sicherung getrennt auf. Eine Prüfsumme kann spätere Änderungen an der Sicherung erkennen, beweist aber nicht die Vollständigkeit der ursprünglichen Lesung.
4. Bei Fehlern kontrolliert stoppen
Keine endlosen Wiederholungen, Schreibtests oder Reparaturen am Original durchführen. Notiere, welche Dateien beziehungsweise Bereiche fehlen, und entscheide abhängig vom Datenwert über fachkundige Rettung. Beschrifte Teilkopien klar als unvollständig. Original, Abbild, zugehörige Mapdatei und Protokoll bleiben bis zur bestätigten Übernahme erhalten.
Quelle: GNU ddrescue – Debian Manpages.
