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Testbericht CanonScan 3200F

Schweren Herzens musste ich mich letzten Monat von meinem treuen Plustek Scanner trennen. Die Auflösung des Gerätes hat einfach für meine Bedürfnisse nicht mehr ausgereicht, da farbige Bilder und Statistiken einfach nicht mehr machbar waren. Als Nachfolger habe ich nach Ansicht einiger diverser PC-Magazine den Canon CanoScan 3200F auserkoren, der sowohl in einer Ausgabe der Stiftung Warentest wie auch in der PC Welt zu überzeugen wusste. Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt, wie ich nach nun vier Wochen feststellen musste.

••••• Der erste Eindruck •••••

Der Scanner ist in einem praktischen Karton mit Haltergriff verpackt und wird wirklich sehr sicher verpackt. Während dem Transport, der in meinem Fall quer durch die Bundesrepublik und der Schweiz ging, kann nun wirklich nicht viel schief laufen. Der Scanner ist zwischen Styropor verpackt und kann sich keinen Millimeter rühren. Gegen Wasser und sonstigen Feuchtigkeiten schützt eine Folie. Ja, nicht schlecht Canon, das kenn ich von HP auch anders.
Von dem ganzen Verpackungsmaterialien befreit kommt eine wahre Schönheit von Flachbrettscanner zum Vorschein. Die Zeit eines hässlichen grauen Klotzes ist vorbei, das Canon Design ist dunkelblau. Zumindest der Deckel ist in dieser Farbe gehalten und besteht aus Kunststoff. Die Oberfläche ist mattiert, so dass kleinere Kratzer einem nicht sofort den Anblick vermiesen. Ziemlich mittig prangt das schwarze Canon Logo hervor, damit man auch immer weiß, welcher Firma man die gelungenen Kopien zu verdanken hat. Das Gehäuse an sich ist wieder in grau gehalten, aber insgesamt macht der Scanner mehr her als das übliche Standardmodell. Ebenso wirkt das Gehäuse auf mich sehr massiv und sehr gut verarbeitet, was ich von Canon im Grunde genommen auch gewöhnt bin. Da spricht allein das Gewicht schon Bände. Da der Canon direkt den Platz meines Plusteks eingenommen hat, konnte ich da gut vergleichen und der CanoScan war da wesentlich schwerer. Ein gutes Zeichen wie ich meine.

••••• Installation und Konfiguration •••••

Vor dem Vergnügen hat der PC-Gott leider die Arbeit gesetzt. So hieß es erst einmal den Karton vollständig ausräumen und sich mit zwei Handbüchern (u.a. in englisch, deutsch und französisch), einem USB 2.0 Kabel und einem Netzteil herumzuschlagen.
Da der Scanner im Bereich der unteren Preisklasse anzusiedeln ist kann man mit einem Netzteilbetrieb wohl gut leben. Dann hieß es auf allen vieren unter den Schreibtisch kriechen. Leider stellte sich heraus, dass das 2,0 Meter USB Kabel nach Murphys Gesetz etwa 20 Zentimeter zu kurz war. Ein Problem, mit dem ich wohl nicht alleine dagestanden habe. Hier wäre ein fünf Meter Kabel besser gewesen, zum Glück hatte ich dergleichen zur Hand. Das Anschließen ist dann ein Kinderspiel. Das USB Kabel in den vorgesehenen Port am PC anschließen, das Netzteil mit dem Scanner und der Stromversorgung verbinden und schon erkennt mein gutes altes Windows 98, dass sich an der Hardwarefront etwas getan hat.
Das erste was mit auffiel ist, das Canon gänzliche auf LEDs verzichtet hat, legendlich vier Knöpfe zieren die dunkelblaue Seite des Gerätes. Jedenfalls war der Scanner schon jetzt einsatzbereit, ohne die zusätzlichen Treiber der mitgelieferten zwei CDs zu installieren. Allerdings würde ich allen trotzdem empfehlen die Software zu installieren, da man ansonsten das komplette Können des Scanners gar nicht entfalten kann. Die Installation ist dabei ein Kinderspiel dank einer zuverlässigen Routine. Weniger begeistert war ich entgegen davon, dass sich die „Canon Toolbox“ ungefragt in jede erdenkliche Funktionsleiste meines Betriebssystems einnistete. Ebenfalls mit im Paket von Canon enthalten ist die Texterkennungssoftware ScanSoft Omnipage 2 und das Bildverarbeitungsprogramm ArcSoft Photo Studio 5.5 .

••••• technisch gesehen •••••

Neben den üblichen DIN A4 Blättern kann das Gerät auch kleinere Formate scannen und kopieren. Dazu muss das Blatt unten recht in der Auflage eingelegt werden. Auch an unsere Hobbyfotografen und Nostalgiker wurde gedacht. So verfügt der CanoScan auch über eine Durchlichteinheit, die es ermöglichst Negative und gerahmte Dias digital einzulesen.
Die optische Auflösung des Geräts beträgt 1200 x 2400 dpi, was so im grünen Bereich liegt aber nicht zu Jubelstürmen hinreist. Interpoliert sich dank den ScanGear Treibern ganze 9600 dpi drin. Die Farbtiefe liegt intern bei 48 Bit und extern bei 24 Bit, Graustufen werden mit 16 Bit dargestellt. Das ist mehr als reichlich und qualitativ besser als jede Digitalkameras. Optische Pixelfehler oder Grobheiten sind damit nicht zu erwarten. Besonders herausragend an dem Scanner ist aber seine Geschwindigkeit. Schwarz-weiß Zeilen verschlingt der CanoScan bei 300 dpi in 2,6 ms. Bei Farbkopien mit 1200 dpi dauert das ganze 3,6 ms. Das heißt in der Praxis, dass man in 8 Sekunden eine passable schwarz-weiß Kopie in den Händen hält und nach etwa 11 Sekunden eine lebensfrohe Farbkopie. Durchaus ein Segen wenn man am Fließband Kopien erstellen möchte. Zwar ersetzt das Gerät keinen Kopierer, ist aber für den schmalen Geldbeutel durchaus eine Alternative. Ein Vorscan dauert bei Standardeinstellungen ganze 2,6 Sekunden.
Betrieben wird das Gerät mittels der USB 2.0 Schnittstelle, wobei man auch die ältere Version kompatibel ist. Für die Stromversorgung ist ein herkömmliches Netzteil zuständig, was nebenbei gesagt ein ziemlicher Klotz ist. Der Stromverbrauch liegt maximal bei 15 Watt im Betrieb und 5,3 Watt im Stand By Modus. Einen Ein bzw. Ausschalter ist nicht vorhanden.
Der Scanner hat die genauen Abmessungen von 259×474,4×74,7 Millimeter und ist damit etwas flacher als mein ausgemusterter Plustek. Das Gewicht liegt bei 2,7 Kilogramm, etwa 500-1000 Gramm mehr als die auf dem Markt erhältliche Konkurrenz von HP.

Für den Betrieb werden von Canon folgende Systemvorrausetzungen vorgegeben:
Betriebssystem: Windows 98, 2000, ME, XP ; Mac OS 9.1, 9.2, X
Schnittstelle: USB 2.0 oder 1.1
CPU: Intel Pentium 3,4, Celeron; AMD Athlon, Duron (ab 566 Mhz)
Speicher: min. 128 MB, besser 256 MB

••••• die Software •••••

Am meisten hat man als Käufer eines CanoScan mit der Canon Toolbox zu tun. Die Toolbox ist eine kleine Leiste, die nicht den Bildschirm ausfüllt. Hier hat man alle Funktionen der vier Funktionstasten auf einen Blick zur Verfügung und kann sie individualisieren. Zum Beispiel lässt sich einstellen, welche Art von Kopie/Scan mit wie viel dpi eingelesen werden soll. Mit welchem Ausgabegerät es verarbeitet werden soll und mit welche Farbtiefe dabei herausspringen soll. Wirklich sehr praktisch und übersichtlich.
Die Texterkennung von ScanSoft muss ich dagegen tadeln. Eigentlich nutze ich die Texterkennung nur sehr wenig, aber bei einem Neukauf gehört es zur Pflichtaufgabe auch diese Möglichkeiten einmal auszuprobieren. Leider hat die Software weder meine Schwarz-weiß Kopien vom Lexmark Z42 noch vom Samsung ML-4600 zu meiner Zufriedenheit erkannt. Heraus kam nur ein Buchstabensalat und das bei einer allgemein oft genutzten Schriftart wie Arial. Die Bedienung ist kinderleicht, lässt aber leider wenig Spielraum für Einstellungsmöglichkeiten. Die Texterkennungssoftware ist also in der Praxis wenig ausgereift.
Die Bildverarbeitung aus dem Hause ArcSoft ist auch eher zweckmäßig. Hier kann man Scans oder auch herkömmliche Bilder in dem üblichen Formaten (*.jpg *.bmp *.gif … usw) bearbeiten oder mit Effekten versehen. Soll heißen man kann die Bilder nach belieben drehen, die Größe ändern oder umranden. Allerdings ist die Funktionsvielfalt eher mager, daher benutze ich lieber Corel Draw, dass den Scanner übrigens auch auf Anhieb unterstützte. Für Anfänger und Leute, die den Scanner nur für Kopien verwenden sollte die Software allerdings reichen.
Insgesamt hat Canon hier leider etwas zu sehr gespart. Die Software ist meines Erachtens qualitativ minderwertig. Vor allem die Texterkennung ist ein Witz. Die Toolbox ist ein Lichtblick, aber eigentlich bei Geräten neueren Datums Standard.

••••• Das Schriftbild •••••

Textdrucke sind nun wirklich nicht die Herausforderung für einen Markenflachbrettscanner, dennoch fällt der Canon etwas positiv aus dem Rahmen. Text benötigt etwa eine Einstellung von 300 dpi. Dabei glänzt er durch eine ernorme Geschwindigkeit. Ganze 8 Sekunden dauert ein Scan. Normalerweise ziehe ich es aber vor mit 600 dpi zu scannen, der Sicherheit wegen. Dabei nimmt man kaum Zeiteinbußen in Kauf. Das Ergebnis spricht für sich und ist bei einer richtigen Einlage des Blattes in der rechten unteren Ecke des Scanners dem Original ebenbürtig. Schluss mit unsauberen Kanten. Nur auf eine saubere Glasfläche im Scanner sollte geachtet werden.
Die wahre Herausforderung für den CanoScan sind die Farbkopien. Hier habe ich einmal ein Farbfoto neuren Datums aus dem Stadion San Siro in Mailand herausgekramt (s. zweites Bild). Ich hoffe das die Qualität trotz der Komprimierung für admin-center noch erkennbar ist. Das Bild einer Kleinkamera wurde von mir auf ein ganzes DIN A4 Blatt aufgezogen, was mittels der Software zwei Knopfdrücke bedeutet. Das Ergebnis auf dem Schirm war überwältigend und hat meine Erwartungen bei weiten übertroffen. Schluss mit all den körnigen Scans, die ich vom Plustek in dieser Situation gewohnt war. Nein, ganz im Gegenteil, automatisch wurde die weniger perfekt Aufnahme durch Lichtausgleich aufgewertet. Bombastisch, es sah aus wie ein Hochglanzbild. Der Ausdruck dagegen ist weniger aussagekräftig, da mein Drucker da nicht mehr hinterherkommt. Aber auch hier war das Ergebnis für simples 80 Gramm Papier recht passabel.
Fehlt noch die Durchlichteinheit, welche exakt die Größe eines Dias besitzt. Da diese jedoch eher vor meiner Zeit in Gebrauch waren musste ich auf ein Exemplar meiner Eltern zurückgreifen. Sozusagen ein Härtetest, denn die Dinger versauern seit 25 Jahren im hinteren Wohnzimmerschrank. Und wahrlich habe ich aus Mum und Dad im Yellowstone Park in den USA nicht viel herausbekommen. Je nach Einstellungen waren die Bilder entweder zu dunkel oder zu hell. Da halfen auch nicht das Herumspielen mit den Kontrasteinstellungen der Software weiter. Das Gerät ist, wie es auch schon beim Plustek war, vollkommen ungeeignet. Scheinbar handelt es sich hierbei eher um ein Alibi, damit man behaupten konnte so was eingebaut zu haben. Die Frage ist, ob mein ein hochwertiges Gerät für den Preis von 99 Euro erwarten kann. Ich denke eher nicht, doch halbwegs einsetzbar sollte es schon sein. Möchte man Dias digitalisieren führt wohl nach wie vor kein Weg um einen der teuren Spezialscanner herum.
Insgesamt bin ich aber von den Ergebnissen tief beeindruckt. Für meine Zwecke ist der Scanner ist das vollkommen ausreichend.

••••• Bedienerfreundlichkeit •••••

Hier hat Canon mit Abstrichen selbst an die Nutzer gedacht, die mit zwei linken Händen auf die Welt gekommen sind. Der Deckel ist recht schwer, was auf dem ersten Blick eher ein Nachteil ist, aber das Schriftbild sicherlich verbessert. Leider ist der Deckel nicht mit einer Sperre oder dergleichen versehen, was für das optimale Positionieren des Blattes gerade wenn es mal nicht DIN A4 ist durchaus sinnvoll gewesen wäre. Auch negativ aufgefallen ist mir das Fehlen sämtlicher LEDs. Weder der On/Off Status noch die Betriebstätigkeit wird angezeigt. Letzteres lässt sich aber mit den Ohren ganz gut bestimmen. Zwar ist der Scanner nicht gerade so laut wie ein Presslufthammer, aber ein leichtes Surren ist schon erkennbar.
Positiv aufgefallen ist mit das Z-Scharnier aus Metall. Das Scharnier ist optimal zum Scannen dickerer Objekte. Gerade für mich als Studenten, der hin und wieder mal eine Seite aus einem dicken Schinken kopieren muss ist das ein Segen. Da gerade dieses Scharnier eines der Verschleißteile Nummer 1 an so einem Gerät sein dürfte, ist Metall sicherlich ein Vorteil. Beim ständigen auf -und zuklappen des Deckels kommt auf das Scharnier eben eine starke Belastung zu. Gut das Canon sich diesem Schwachpunkt intensiv zugewendet hat.

••••• der Support •••••

Auf der deutschen Canon Seite findet man ein gut funktionierendes Trouble Shooting. Leider wird dieses nur europaweit betrieben, sprich der Text ist in englisch. Aktuelle Updates findet man hingegen auf der deutschsprachigen Seite von Canon. Für den 3200F ist der letzte Treiber vom 25.11.2003 datiert. Des Weiteren findet man eine Liste mit Vertragswerkstätten, bei denen man im Garantiefall Hilfe findet. In meinem Fall (Wohnort Ulm) wäre das in Reutlingen. Also etwa 90 km entfernt. Reparaturaufträge können online übermittelt werden. Auch eine Hotline steht zur Verfügung, hierfür lässt sich Canon allerdings 12 Cent pro Minute berappen.
Da ich mit dem Gerät jedoch keinerlei Ärger bislang hatte kann ich über die Kompetenz des Teams nicht urteilen.

Adresse Hauptverwaltung:
Canon Deutland GmbH
Europark Fichtenhain A10
47807 Krefeld

Hotline:
0180/5006022 (12 Ct. pro Minute)
Montag bis Freitag von 8 bis 17:30 Uhr

••••• abschließendes Urteil •••••

Insgesamt bin ich über die Leistung des CanoScan 3200F zufrieden. Zwar gibt es einige Schwächen, wie das fehlende LED oder die Deckelkonstruktion, aber darüber kann man hinwegsehen. Richtig schlecht finde ich hingegen das Softwarepaket. Da hat Canon auf Sparflamme gearbeitet, es lebe das Corel Draw als Ersatz. Das Schriftbild ist bis auf die Durchlichteinheit super, da kann man nicht meckern. Da leistet Canon eine 1a Qualität, ebenso bin ich von der hochwertigen Verarbeitung begeistert. Das Gerät sieht wirklich sehr stabil aus, was das Mehrgewicht auch unterstreicht. Insgesamt kann ich zum Kauf raten, jedoch nicht für Diafans oder Profifotografen.

About Lukas Mühle

EDV Techniker und Web Designer aus Leidenschaft. Bin seit mehr als 10 Jahren in der IT Branche tätig.

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