Exchange-Migration vorbereiten: Postfächer, Adressen und Abhängigkeiten erfassen
Eine Postfachliste allein ist kein Migrationsplan. Vor dem Umzug müssen auch Aliase, Stellvertretungen, Kalender und sendende Anwendungen bekannt sein. Diese Anleitung erstellt eine Bestandsaufnahme; sie startet keine Migration und ändert weder DNS noch Berechtigungen.
Umfang und Datenquelle festlegen
Notiere Quellsystem samt Version, Zielmandant, zuständige Person und Erfassungsdatum. Trenne lokale Exchange-Postfächer, Exchange Online und andere Mailplattformen. Eine Cloud-Abfrage liefert kein vollständiges Inventar eines lokalen Servers. Erhebe nur die beauftragten Objekte und speichere das Inventar im geschützten Projektordner, ohne Passwörter oder Token.
Pro Objekt eine nachvollziehbare Zeile
- Erfasse stabile Objektkennung, Anzeigename, Anmeldekennung, primäre SMTP-Adresse, sämtliche zusätzlichen Adressen, Postfachtyp und Verantwortlichen. Anmeldekennung, Alias-Eigenschaft und zusätzliche SMTP-Adressen sind nicht dasselbe.
- Ergänze Postfachgröße, Archiv, relevante Aufbewahrungsvorgaben und benötigte Ziellizenz. Führe Benutzer-, freigegebene und Ressourcenpostfächer getrennt. Erfasse Verteiler, Kontakte, öffentliche Ordner und Microsoft-365-Gruppen in eigenen Listen, statt sie als normale Benutzerpostfächer zu behandeln.
- Für bereits vorhandene Exchange-Online-Postfächer kann eine berechtigte Administration lesend
Get-EXOMailbox -ResultSize Unlimited -Properties EmailAddressesverwenden. Ohne explizites ResultSize liegt der Standard bei 1.000. Das Ergebnis ist ein Ausgangspunkt für Cloud-Postfachobjekte, kein vollständiger Export aller Empfängertypen, Größen und Berechtigungen. - Ordne jedes Quellobjekt einem geplanten Ziel und einer zuständigen Person zu. Markiere fehlende Angaben und kollidierende Adressen ausdrücklich; löse sie nicht durch ungeprüftes Löschen oder Umbenennen.
Abhängigkeiten ergänzen
Erfasse Vollzugriff, Senderechte, Gruppenmitgliedschaften, Weiterleitungen und wichtige Posteingangsregeln. Frage nach gemeinsam genutzten Kalendern, Raumreservierungen, mobilen Geräten, lokalen PST-Dateien sowie Scannern, Druckern und Anwendungen, die E-Mails versenden. Notiere bei Verbindungen nur Verfahren, Endpunkte und verantwortliche Stelle, keine Geheimnisse. Dokumentiere außerdem Mailrouting, Connectoren, akzeptierte Domänen und die Zuständigkeit für DNS.
Migrationsweg und Pilot ableiten
Wähle den unterstützten Migrationsweg erst nach dieser Bestandsaufnahme anhand der aktuellen Microsoft-Voraussetzungen für Quelle und Ziel. IMAP übernimmt nur E-Mails aus Mailordnern, nicht Kontakte, Kalender oder Aufgaben; Zielpostfächer müssen dafür bereits bestehen. Ein erfolgreicher Mailimport beweist daher keine vollständige Übernahme.
Plane eine repräsentative Pilotgruppe, Sicherung, Rückfallkriterien und die spätere Umschaltung. Lege vorab Abnahmetests fest: Anmeldung, interne und externe Zustellung, Aliasempfang, Kalender, Delegierung und Anwendungsversand. Vergleiche im Pilot vereinbarte Referenzobjekte sowie Fehler- und Übersprungmeldungen, nicht nur eine grüne Gesamtanzeige. Offene Abhängigkeiten erhalten Verantwortlichen und Termin. Erst ein abgestimmtes Inventar mit geklärten Ausnahmen ist die Grundlage für den gesondert freigegebenen Umzug.
